Masken
Ausstellung einiger Masken anläßlich Maskenspiel in Hamburg.
Motiv für die Masken war meine Herkunft im Alemannischen (Straßenfastnacht in Konstanz), die Lektüre von Parzivâl (W. v. Eschenbach, D. Kühn, A. Muschg), und die Zeit in Griechenland, wo die Maske Theatertradition ist.
Parzivâl als Jüngling
Neben den inhaltlichen Aspekten des Maskenspiels und der Frage nach Authentizität und Fake in der landläufigen Vorstellung von Maskierung, war eine große Herausforderung die Methode des großen Maskendramaturgen Jacques Lecoq.
Jens Jakob de Place (rechts) beim Training mit Eleftheria und Jannis.
Dauerthema war eine von Denis Diderot aufgeworfene Polarität. Denis Diderot (1713-1784) verbreitete zwei polarisierende Zugänge zur Schauspielerei am Beispiel von Marie Dumesnil (1713-1803) und Claire-Joseph Léris (1723-1803) (in "Erzählungen und Gespräche", Frankfurt a. M. 1981). Beide Schauspielerinnen an der Comédie Française. Marie Dumesnil vertritt den Standpunkt, man müsse alles nacherleben und fühlen, was die Figur auf der Bühne erlebt. Fortlebend im Method Acting unserer Gegenwart. Dagegen argumentiert Claire-Joseph Léris, man müsse mimisch und gestisch eine Technik entwickeln, um das Publikum zum Nachfühlen aller Emotionen der Bühnenfigur zu bringen. Abend für Abend traurig zu sein, nur weil die Bühnenfigur Trauer durchlebt sei unpraktikabel und wenig überzeugend. Das war auch auf dem Theater üblich, das Bertolt Brecht verfolgte, und es entspricht auch dem Ansatz von Jacques Lecoq.
Gahmuret, Parzivâls Vater
Bei den Proben.
Alle Masken sind aus Gips geformt.
Alle Teilnehmenden vor der Aufführung im Kulturzentrum Tinos, 2016
Die Nagelprobe der Masken ergab sich beim Spiel mit der griechischen Theatertruppe von Tinos während dreier Jahre. Als profundem Kenner der Lecoqschen Spielphilosophie war das Zusammentreffen von Jens Jakob de Place mit der spielfreundigen Truppe ein Glücksfall. Gefördert wurde unsere Aktivität von der Cultural Foundation of Tinos, dem Auswärtigen Amt in Berlin und der Heinrich-Böll-Stiftung.